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Der Monatliche Dreizeiler im September über einen Frauenstaat, Liebe und viele freie Parkplätze

Zusammenstellung von Lea, Titelbild von Emely

Einmal im Monat präsentieren wir im Monatlichen Dreizeiler, was uns in letzter Zeit inspiriert oder geschockt hat. Das was augenöffnend war. Außerdem sammeln wir für den neuen Monat immer mal das, was noch kommt: Interessante Veranstaltungen oder Aktionen zu Feminismus, Nachhaltigkeit und Transformation in Schleswig-Holstein.

Für den September gibt es von Anna, Emely und Svenja drei Schmankerl ganz verschiedener Art. Literarisches Gedankenexperiment mit Diskussionspotenzial, Fernseh-Empfehlung mit Romantikfaktor und Veranstaltungstipp zum Cornern – wir sorgen dafür, dass du dem sich davonschleichenden Sommer nicht hinterhertrauern musst.

Was wäre wenn…?

– Anna über den Roman Die Republik der Frauen von Gioconda Belli

Anna liest sehr
gerne Bücher,
außerdem mag sie
Filme und Konzerte.
Sie macht sich viele
Gedanken, um
die Welt und was in
ihr passiert. Um
Antworten auf ihre
Fragen zu finden,
schreibt sie über
Hintergründe und
Zusammenhänge –
insbesondere über
Gerechtigkeits- und
Naturthemen.

Eine Regierung, die nur aus Frauen besteht? Alle Polizist*innen-, Beamt*innen- und Minister*innenposten sind nur von Frauen besetzt und die Männer bleiben komplett zuhause? Dieses Gedankenexperiment spielt die nicaraguanische Autorin Gioconda Belli inihrem Roman Die Republik der Frauen durch. Das Buch spielt in dem fiktiven lateinamerikanischen Staat Faguas. Durch einen Vulkanausbruch haben die Männer des Landes ihr Testosteron verloren und sind schlapp und antriebslos. Dies nutzt die Regierungspartei und schickt alle Männer nach Hause, damit sie die „Welt der Frauenarbeit“ kennen lernen und die Frauen eine zeitlang Macht übernehmen können, um das Land wieder auf „Vordermann” zu bringen  – und zwar mit explizit weiblichen Eigenschaften.

Das Buch beginnt mit einer Rede der Präsidentin Viviana Sansòn von der Partei der Erotischen Linken, kurz PIE-Partei. Bei dieser Rede kommt es zu einem Attentat: Die Präsidentin wird angeschossen, fällt in ein Koma und wacht in einer Abstellkammer voller Regale mit verlorenen Gegenständen aus Vivianas Leben wieder auf. Sobald sie diese Gegenstände berührt, erlebt sie den damit verbunden Moment erneut. So wird nach und nach die Entstehungsgeschichte der Partei erzählt. Ergänzt durch die Gegenwartsgeschichte, in der es zu Unruhen und Demonstrationen kommt sowie Erinnerungen der Mitstreiterinnen Vivianas und ihrem Freund, aber auch Zeitungsartikel und historische Dokumente, wirkt die Geschichte besnders real. Dieser Mix aus Erzählmethoden hat mir richtig gut gefallen. Im Laufe des Buches werden außerdem verschiedene feministische Themen gut eingewebt, sowie die Frage gestellt, wie eine Regierungspartei sich verhalten soll, wenn plötzlich die Bürger*innen gegen sie demonstrieren und es zu Ausschreitungen kommt. 

Zum Glück ist mir das Buch letzten Monat in die Hände gefallen, denn es ist sowohl sehr gut geschrieben, als auch spannend erzählt und regt zum Nachdenken an. Auf jeden Fall gibt es auch viel zu diskutieren und kritisch zu betrachten. Zum Beispiel bewegt sich der feministische Ansatz sehr in einer binären Mann/Frau-Logik und Frauen werden typisch weibliche Eigenschaften zugeschrieben. Andererseits fand ich es super, mal ein ganz anderes Bild geliefert zu bekommen und zu gucken, was mein Kopf damit macht: Fast überall regieren nur Männer und deshalb löst die Beschreibung eines Staates, der nur von Frauen geleitet wird so richtig schön viel Irritation aus.

Lesen sollten es auf jeden Fall nicht nur Frauen, sondern auch Männer, da jede*r etwas von der Auseinandersetzung mit diesem Gedankenexperiment mitnehmen kann. 

Gioconda Belli, Die Republik der Frauen, Droemer Verlag, 2015, ISBN: 978-3-426-30411-2 .

Liebe ohne Show

Eine Reality-Sendungsempfehlung von Emely

Emely mag Tiere,
Orhrringe und bunte
Farben. Sie erzählt
gern komische
Geschichten und
träumt von einem
Podcast, den sie
FreshFM nennen
würde.

In der unglaublich weiten Welt der Entertainment-Industrie gibt es einen Haufen Formate, die verschiedenste Themen, Menschen und Bilder auf unsere Bildschirme katapultieren. Viele der Geschichten, die auf diese Weise erzählt werden, wirken durch die Röhre wie Märchen – ganz besonders wenn es um das wohl beliebteste Thema von allen geht, die Liebe. Romantisch, ready-on-demand und retuschiert. Ist es dann ein Wunder, dass sich in den letzten Jahren immer mehr des sogenannten “Reality-TVs” mit der Suche nach Liebe beschäftigt? Eigentlich gar nicht. Es überrascht mich null. Ist der Ansatz, keine Schauspieler*innen, sondern Amateur*innen zu zeigen, eine gute Idee? Natürlich! Aber ich glaube, niemandem an dieser Stelle sagen zu müssen, dass eine Horde norm-schöner Singles auf einer Insel, mit der Aussicht auf Preisgeld am Ende der Staffel, keine Abbildung der Realität ist.  

Guilty-Pleasure. So kann man es nennen, wenn man die für unsere Unterhaltung produzierten Shows jener Sorte gern guckt. Und weil ich selber viele Dinge gut finde, die andere nicht nachvollziehen können (z.B. Erdnussbutter mit Käse oder diesen einen Song von Mark Forster) möchte ich das niemandem nehmen und erspare dir und mir einen ausgiebigen Rant darüber, wie sehr mich Love Island, Bachelor*ette & Co. nerven.  

Stattdessen möchte ich eine ganz warme Empfehlung machen! Und es ist sogar eine Reality-Sendung. Sie heißt Liebe im Spektrum (Originaltitel Love on the Spectrum) und ist wunderbar. Bei dieser 5-Teiligen Miniserie, die auf Netflix zu streamen ist, geht es um die Protagonist*innen und deren Erfahrungen mit Liebe und Dating. Sie befinden sich alle auf dem Autismus-Spektrum. Ich nenne es absichtlich keine Reality-Show, weil mein Eindruck ist, dass die Geschichten eben so erzählt werden, dass die Beteiligten dabei nicht zur Schau gestellt werden. Das ist zwar wirklich das Mindeste, was man erwarten könnte, jedoch in diesem Genre nicht üblich. Die Geschichten sind liebenswürdig, sehr individuell und werden respektvoll begleitet.

Durch den Input der Erzählerin und einer wiederkehrenden Beziehungs-Expertin konnte ich viele Aspekte über Autismus lernen. Die Serie hat das Potenzial, sich der Stigmatisierung von Menschen auf dem Spektrum entgegen zu setzen. Ich kann nicht beurteilen, ob Liebe im Spektrum alles richtig macht, weil ich neurotypisch bin und deshalb nicht für Menschen mit Autismus sprechen kann. Trotzdem wird über Neurodiversität nicht genug geredet und vielleicht ist das ein kleiner, aber sehr schöner Anfang sich mit diesem Thema mehr auseinander zu setzten. Also, was lernen, dazu Emotionen, Schmunzeln und als unschlagbares Verkaufsargument noch Liebe? Ich sag’s wie es ist, ich würde es nochmal gucken.

Freiraum statt Parkraum – Parking Day 2020 in Flensburg

Eine Veranstaltungsankündigung von Svenja

Svenja mag Bibliotheken
und Sonnenblumen.
Sie schreibt gerne,
da sie selber am
Lesen schätzt neue
Perspektiven kennen
zu lernen und Dinge
aus anderen
Lebenswelten
erfahren zu können.

Dass unsere Städte in den letzten Jahrzehnten vor allem nach den Bedürfnissen von Autofahrenden geplant und gestaltet worden sind, ist für viele kein Geheimnis. Immer mehr Menschen fordern jedoch ein Umdenken, was die Verteilung von öffentlichem Raum zugunsten von Autoverkehr angeht. Erst letzten Monat schrieb unser Gastkolumnist Juli über das Thema: “Dabei ist die autogerechte Stadt nicht das Ergebnis einer unsichtbaren Hand, sondern politischer Entscheidungen. (…) Die enkeltaugliche Stadt bedingt jedoch ein gleichberechtige Aufteilung des öffentlichen Raums.” Ein besonderer Dorn im Auge vieler: Parkende Autos bzw. Parkplätze. Insbesondere im Innenstadtbereich nehmen Parkmöglichkeiten wichtigen Raum für sich ein, der sonst anderweitig, z.B. für Fahrradspuren, als Begegnungs- und Spielort usw. genutzt werden könnte. 

VCD Nord, M. Kristen

Um auf das (verschenkte) Potenzial dieser Flächen aufmerksam zu machen, rufen die Flensburger Ortsgruppen des ADFC und VCD sowie der Aktionsgruppe KLIMA Flensburg in diesem Jahr wieder zum Parking Day auf. Am Samstag, den 19.09.2020 zwischen 11:00 und 14:00 Uhr verwandeln sich die Parkplätze in der Norderstraße zu neuen Orten. Denn, so die Idee der Veranstaltenden, “ein Parkplatz nützt nur einer Person. An einer freien Fläche in der Stadt können viele Freude haben.”

VCD Nord, M. Kristen

Mitmachen kann jede*r. Also schnapp dir einen Teppich, ein paar Freund*innen und eine Thermoskanne mit warmem Tee und probier gemeinsam mit anderen aus, wie sich eine Straße voller Begegnung anfühlen kann. 

Datum & Uhrzeit: Samstag, 19. September 2020, von 11:00-14:00 Uhr in der Flensburger Norderstraße. Hinweis in Sachen Corona: Für Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, gilt auch am Parking Day die Abstandsregel (1,5 m). Andernfalls verwende bitte eine Mund-Nasen-Bedeckung, um andere Teilnehmende zu schützen.

Von redaktion

Die zwölfköpfige Redaktion ist soziokratisch organisiert und immer offen für neue Gesichter! Falls du also Lust hast, deinem Talent ein Medium zu geben: Schreib uns an moin@trotzdem-mag.de

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