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Monatlicher Dreizeiler über Sprache, Dekolonialisierung und den Frauenkampftag

Zusammengestellt: Svenja Sgodda – Titelbild: Emely Pieper

Ein Mal im Monat präsentieren wir im Monatlichen Dreizeiler, was uns in letzter Zeit inspiriert oder geschockt hat. Das was augenöffnend war. Und wir sammeln für den neuen Monat das, was noch kommt: interessante Veranstaltungen zu z.B. Feminismus, Nachhaltigkeit und Transformation in Schleswig-Holstein.

Diesen Monat haben sich Emely, Laura und Marie – drei der Menschen, die für trotzdem schreiben – mit Sprache, Dekolonialisierung und dem Frauenkampftag beschäftigt und ihre Empfehlungen aufgeschrieben.

Feministischer Kampftag ist jeden Tag!

Emely mag Tiere, Ohrringe und bunte Farben. Sie erzählt gern komische Geschichten und träumt von einem Podcast, den sie FreshFM nennen würde.

— ein Aufruf von Emely Pieper

Früher war der März immer ein sehr grauer, unbedeutender Monat für mich. Meistens nass und verregnet zwischen Winter und Frühling. Seit ich mich aber mit Frauenbewegungen und Feminismus auseinandersetze, hat der März eine wirklich bedeutende Rolle in meinem persönlichen Kalender – wenn auch immer noch bei meist trübem Wetter. Am 8. März ist Weltfrauentag oder der Internationale Feministische Kampftag (oder wie er sonst noch genannt wird). Ich versuche aus diesem Anlass ganz besonders aktiv für feministische Zwecke zu sein und mich für emanzipatorische Kämpfe einzusetzen. Der März wird dann zu einem Monat, der im Zeichen des Kampfes für Gerechtigkeit und Gleichstellung aller Geschlechter steht.

Hier sind einige Veranstaltungstipps rund um den 8. März in Schleswig-Holstein:

03.03.2020 19.00- 23.00 Uhr: Queere Kneipe im Kühlhaus, Flensburg

05.03.2020 16.00-19.00Uhr: Feministische Kreativ-Werkstatt: Demo-Vorbereitung an der Uni Flensburg, Gebäude Oslo Raum 633 , Referat für Gleichstellung und Diversität – AstA EUF, Flensburg

06.03.2020 ab 15 Uhr: Feministisches Café mit ShirtDruck, Aktivitetshuset Raum: mødested, Flensburg

Um 19.00 Uhr: Diskussionsabend „Feminismen heute: Vorteile und Vorurteile“, Aktivitetshuset Raum: mødested, Flensburg

07.03.2020: Demo zu „My Body, My Choice! Für körperliche Selbstbestimmung“, Treffpunkt 14.00 Uhr Hafenspitze, Flensburg

08. bis 18.03.2020: Fotoausstellung „Frühling der Frauen“, organisiert vom Solidaritätskomitee Rojava in der Norder 147, Flensburg

08.03.2020: Feministischer Kampftag Kiel, Beginn 15.00Uhr am Vinetaplatz

Filmtipp: „Die Perfekte Kandidatin“ von Haifaa al-Mansour, 12. bis 18.03.2020, 20.30 Uhr und 19. bis 25.03.2020, 18.00 Uhr, in Kooperation mit dem Kino 51 Stufen, Deutsches Haus, Flensburg

Weitere Infos: xtfemaktionflensburg.noblogs.org, Instagram (@femaktionflensburg) und Facebook

Die Geschichte warum der Tag am 8. März gefeiert wird, finde ich immer wieder aufs Neue inspirierend: An diesem Tag gingen 1917 im damaligen Petrograd (heute: Sankt Petersburg) Bewohner*innen der ärmeren Viertel, Arbeiter*innen und Bäuer*innen gemeinsam auf die Straße und lösten damit die Februarrevolution aus, wodurch die Zarenherrschaft in Russland beendet wurde. Es ist also historisch ein (Klassen-)Kampftag. Natürlich hört das Thema nicht auf wichtig zu sein, wenn der März wieder vorbei ist. Jeder Tag ist ein feministischer Kampftag, denn jeden Tag sind Menschen von Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt auf Grund ihres Geschlechts betroffen. Also lasst uns diesen März solidarisch sein, gemeinsam auf die Straße gehen und kämpfen!

Sprache und Sein: Ich bin was ich spreche!

— eine Buchvorstellung von Laura Klein

Wenn Laura nicht gerade für trotzdem schreibt oder illustriert, findet man sie beim Bouldern oder Schrauben in der Boulderhalle in Flensburg.

In meinem früheren Leben — ich steuerte auf eine Karriere als Kommunikationsdesignerin zu — waren der Satzspiegel, Schriftgröße, Schriftart, linksbündig, Blocksatz, Punkt, Zeilenabstand, bold, serifenlos und dergleichen Begriffe mehr, lange Zeit der einzige Zugang für mich, um über Sprache — eigentlich ja eher Text — nachzudenken. Ich setzte mich damit auseinander, wie bestimmte Dinge visuell so kommuniziert werden können, dass sie möglichst einfach verständlich und formal ästhetisch ansprechend sind. Wer wen wie bezeichnet hat, war mir egal. Während der letzten zwei Jahren hat sich meine Sprache und damit mein (Bewusst-) Sein (dafür) jedoch stark verändert.

Was da in mir passiert ist und noch passiert, finde ich in Kübra Gümüşays Buch Sprache und Sein (wieder): Sprache ist nicht Schriftgröße und Zeilenabstand, sondern eine komplexe Architektur, begrenzt durch unser Fühlen, Denken, Sprechen und Leben. Und damit ja wohl so lebendig und wandelbar wie wir selbst. 

Im Februar war Black History Month und weil Kübra Gümüşay in Sprache und Sein viel über Rassismen, Diskriminierungen und Ausgrenzungen durch Sprache schreibt, musste ich an die koloniale Vergangenheit Flensburgs denken. Denn das (sprachliche) Selbstbild der Stadt baute lange Zeit auf dem Erfolg durch die Herstellung und den Handel mit Rum auf — woher dieser Ru(h)m kommt, blieb lange Zeit unbesprochen: Sklavenhandel, Kolonialisierung, Ausbeutung, Mord und Rassismus. Erst in jüngster Vergangenheit wird dieses Selbstverständnis — das Sein — Flensburgs in größerer Öffentlichkeit aufgearbeitet. 

Wem würde ich es empfehlen: All jenen, denen ich nie richtig erklären konnte, welche Kraft Sprache hat. Was sich in uns und zwischen uns manifestiert, wenn wir bestimmte Wörter benutzen und was in unserer Gesellschaft passiert, wenn wir bestimmte Dinge oder Menschen benennen oder auch selbst benannt werden. Sprache und Sein verleiht mir eine Sprache, darüber zu sprechen, was ich vage weiß, aber nicht argumentieren kann.

Kübra Gümüşay, Sprache und Sein, Hanser Verlag, 2020, ISBN: 978-3-446-26595-0.

Entkolonisieren

— eine Serienempfehlung von Marie Sprute

Marie fühlt sich bei Regen und Wind oft am lebendigsten. Die Bandbreite der großen und kleinen Themen des Lebens, die sie beschäftigten, ist genauso weit wie der nordische Horizont.

Wer über Kolonialismus und Dekolonisierung redet, redet oft über Staaten. Anders die dreiteilige ‚Entkolonisieren‘-Reihe von ARTE. Sie lenkt ihren Fokus vielmehr auf einzelne Befreiungsheld*innen, anhand deren Schicksale sie Auszüge aus Episoden der Entkolonialisierung kunstvoll zu einem Gesamtbild zusammenfügt.

Zwar bin ich beim Schauen zunächst verblüfft, dass ich so wenige dieser Schlüsselfiguren kenne. Während Mahatma Gandhi einer jeden und einem jeden bekannt sein dürfte, scheinen viele Widerständler*innen – vor allem die Frauen – höchstens als Nationalheld*innen gefeiert zu werden. Bei näherer Überlegung erscheint es mir jedoch weniger überraschend, dass diese eloquenten, wirkungsvollen Menschen nicht in das Gedächtnis der vormaligen Kolonialmächte des Globalen Nordens eingingen. Sie entsprechen dem noch häufig fortbestehenden, dem Kolonialismus zugrundeliegenden Bild der ‚unterentwickelten‘, hilfsbedürftigen ‚Anderen‘ schließlich so gar nicht. Die drei Filme sind eine wirkungsvolle Medizin gegen solches Denken:

Die Entkolonialisierung – Wegweisende Momente (online bis 05.05.2020)

Und zum Schluss…

Und zum Schluss unsere Frage an euch: Was habt ihr zuletzt gesehen oder gelesen, das euch die Augen geöffnet oder überrascht hat. Wir freuen uns über eure Empfehlungen in den Kommentaren oder drüben bei Instagram (@trotzdem.mag)!

Von redaktion

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