MDZ

Special: Der Monatliche Dreizeiler zum 8. März mit Aufruf zu Radikalität, feministischen Beats, Infos zu Schwangerschafts-abbrüchen uvm.

Titelbild: Emma Marx, Zusammenstellung: Lea Pook

Normalerweise präsentieren wir im Monatlichen Dreizeiler alles mögliche, was uns in letzter Zeit inspiriert oder geschockt hat oder das, was augenöffnend war.

In diesem Monat bekommt ihr aber eine Sonderausgabe: Am 8. März ist der internationale feministische Kampftag. Der findet jährlich statt – und das schon seit vor dem Ersten Weltkrieg! Einerseits gut, was Frauen, Lesben, Inter, Nonbinäre, Trans und Asexuelle Personen sich schon alles erkämpft haben – andererseits lassen viele Zustände uns denken: wtf? Immer noch? Deswegen haben alle Beiträge in diesem MDZ einen feministichen Einschlag. Infomaterial zum Thema Schwangerschaftsabbruch, ein Buch, eine Serie, was zum feministischen Abdancen, ein Rant und Überlegungen zur Gemeinwohlorientierung feministischer Vereine. Jeden Tag ist feministischer Kampftag!

Ohne Umschweife: Informationen über Schwangerschaftsabbrüche

Emma über Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen
Emma findet, jede*r Mensch hat das Recht, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen. Deswegen war es ihr ein Anliegen, die Informationen zu verbreiten.

Im Januar wurde die Frauenärztin Kristina Hänel nach Paragraf 219a StGB wegen „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ verurteilt. Auf ihrer Webseite fand man zuvor sachliche Informationen über Schwangerschaftsabbrüche, nun ist ihr dies verboten. 

Diesem Aufruf möchte ich (besser spät als nie) folgen. Auf unserer Webseite findet ihr deshalb ab sofort die Informationen, die das Solidaritätskomitee für Kristina Hänel bereitstellt. 

Wenn du auf der Suche nach solchen Informationen bist, eins vorweg: 

Du alleine darfst über deinen Körper bestimmen und entscheiden, ob du die Schwangerschaft abbrechen möchtest oder nicht. Du bist niemandem über deine persönlichen Gründe Rechenschaft schuldig.

Deswegen wirst du im Folgenden keine Meinungen finden. Die Meinungen von Dritten sind irrelevant für deine Entscheidung. Solltest du dich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, dann ist das vollkommen okay. Lass dich nicht von Internet-Foren, Kommentarspalten oder Hassredner*innen verunsichern und meide sie, wenn es geht. Denn: Schwangerschaftsabbrüche sind wichtige medizinische Leistungen für alle Menschen, die schwanger werden können. Die anhaltende Stigmatisierung ist das Problem, nicht die Menschen, die sich dafür entscheiden.

„Feminist work is justice work”

Marie über das Buch „Feminism, Interrupted: Disrupting Power” von Lola Olufemi
Marie fühlt sich bei Regen und Wind oft am lebendigsten. Die Bandbreite der großen und kleinen Themen des Lebens, die sie beschäftigten, ist genauso weit wie der nordische Horizont.

Feminismus muss zurück zu seinen radikalen Wurzeln. Das ist die Grundaussage des Buches Feminism, Interrupted: Disrupting Power von Lola Olufemi. Damit grenzt die Autorin den radikalen vom neoliberalen Feminismus ab: Neoliberale Ansätze fokussieren im Wesentlichen darauf, im bestehenden System die Plätze von Männern zu kapern und sie durch Frauen zu ersetzen. Der Haken daran: Kapitalistische Systeme beruhen auf Ausbeutung – egal, welchem Geschlecht sich die Ausbeutenden zuordnen. So lastet die „emanzipative Erfolgsgeschichte“ einiger, meist weißer, gutsituierter Frauen auf der Arbeitskraft und Diskriminierung von Women of Colour, schlecht bezahlten Arbeiter*innen und Migrant*innen.

„A feminism that seeks power instead of questioning it does not care about justice.”

Lola Olufemi

Radikale Feminist*innen hingegen versuchen nicht die Erfolgsleiter emporzusteigen, sondern eine völlig andere Welt zu kreieren. Auf dem Weg zu einer feministischen Zukunft, die Freiheit für alle statt für wenige verspricht, müssen Systeme der Gewalt und Macht fokussiert und destabilisiert werden. Feministische Arbeit geht so über eine Gleichberechtigung von Frauen hinaus und lässt sich viel umfassender begreifen: „Feminist work is justice work“. Das bedeutet, dass niemand auf dem Weg zurückgelassen werden darf und niemandes Ausbeutung, niemandes Schmerz ungesehen bleibt.

Das Ärgerliche: Wir sind so sehr im Neoliberalismus gefangen, dass es manchmal schwer ist, sich eine solche Welt vorzustellen. Olufemi lichtet den Nebel ein wenig und weist auf unzählige blinde Flecken hin, wenn sie in den verschiedenen Kapiteln ganz unterschiedliche Themen aus einer radikalfeministischen Perspektive betrachtet: Es geht unter anderem um reproduktive Gerechtigkeit, Transmisogynie, Sexarbeit, Gefängnisse, Kunst, Essen und vergeschlechtlichte Islamfeindlichkeit. Ganz schön bunt! Und gleichzeitig faszinierend, die Zusammenhänge zu entdecken. 

Ich lege das Buch mit einer Gewissheit und einem Lieblingszitat beiseite. Die Gewissheit: Wir müssen für diese Freiheit kämpfen. Ja, das ist anstrengend, ermüdend und dauert verdammt lange. Gleichzeitig hat uns der Kampf aber auch einiges zu bieten – um mit dem Zitat zu enden: „Resistance enables us to think about the future, it keeps us alive.”

Lola Olufemi, Feminism, Interrupted: Disrupting Power, Pluto Press, 2020, ISBN: 978-0745340067

Feminism entering my body

Emely mit einer Playlist, die dich erweckt
Emely mag Tiere,
Ohrringe und bunte
Farben. Sie erzählt
gern komische
Geschichten und
träumt von einem
Podcast, den sie
FreshFM nennen
würde.

Neulich begegnete mir auf TikTok (Ich weiß! Aber das ist aktuell mein größtes Guilty Pleasure…) ein Trend der mir bereits von anderen Plattformen bekannt war: Das “Feminism Leaving My Body When”- Meme.

Es funktioniert so: Die Ersteller*in des Beitrags verknüpft einen Song, manchmal auch ein ganzes Musikgenre, mit dem Meme und sagt: the feminism leaving my body when I listen to xyz. Begleitet wird das ganze meist von einem kleinen Tanz, der darstellen soll, wie genau es aussieht, wenn der Feminismus, beim Erklingen des entsprechenden Sounds, den Körper verlässt. 

Das führte bei mir zu zwei Erkenntnissen:

Erstens, ich kann mich damit identifizieren. Denn manchmal höre, singe und tanze ich zu Songs, die definitiv nicht feministisch sind.

Zweitens, wenn der Feminismus bei diesen Liedern den Körper verlässt, dann muss er vorher schon drin gewesen sein.

Spannend, denke ich mir, etwas überrascht.

Und es gibt eine lange Liste von Playlists auf Spotify die unter das Thema des Memes fallen. Sie heißen “feminism:paused”, “feminism: off, misogyny: on” und “songs, I put my feminism on hold for”.

Interessant, denke ich mir, durchaus irritiert. 

Als Verantwortliche für die trotzdem TransformaTunes stelle ich mir also die einzig logische Frage: Wo sind die Songs, bei denen Feminismus meinen Körper betritt?

Hier ist sie, die trotzdem Feminism Entering My Body Playlist.

Hits, die pushen und Bock machen, sich zusammen zu tun.

Songs, die motivieren und die du gut hören kannst, wenn du grad einen Schwall feministischen Trotzes in dir spürst.

Ein Soundtrack zum feministischen Kampftag, ohne Musik von weißen hetero cis-Männern.

Über Machtstrukturen und Psychoanalyse  – der Blick hinter die Fassaden

Lea über die Netflix-Serie “Bir Başkadır – Acht Menschen in Istanbul” von Berkun Oya
Um mögliche kognitiven
Dissonanzen abzumildern und im Idealfall auch noch die meisten globalen Probleme zu lösen, wünscht sich Lea manchmal, dass
alles kleiner, regionaler
und langsamer wird:
Schleswig-Holstein ist da genau der richtige Ort. 

Meryem fällt dauernd in Ohnmacht und weiß nicht warum. Sie geht von Arzt zu Arzt und keiner kann sagen, was los ist mit ihr. Dann wird sie zur Therapeutin geschickt – vielleicht kann die ja was für sie tun. Peri findet Meryem klug. Aber sie findet sie auch unterdrückt und unfrei. Meryem trägt ein Kopftuch. Und sie muss den Siedlungsältesten um Erlaubnis fragen, um zur Therapie gehen zu dürfen. 

Peri kann das nicht verstehen. Sie ist anders aufgewachsen – reich, laizistisch, ihre Eltern haben auf Frauen mit Kopftüchern herabgeschaut. Peri hat keinen Freund, keinen Mann, aber sie möchte einen finden. Ihre Eltern sind ihre engsten Bezugspersonen. Sie fühlt sich allein.

Peri geht zur Supervision zu Gülbin. Gülbin hat eine Affäre mit einem Typen, der die Frauen, mit denen er schläft als Prestigeobjekte sieht. Ein reicher, cooler, anziehender Typ, der sich vor seiner eigenen Mickrigkeit fürchtet.

Meryem lebt mit ihrem Bruder Yasin, seinen Kindern und seiner Frau zusammen. Yasins Frau ist verrückt. Sie liegt im Bett oder sieht aus dem Fenster. Niemand weiß, wo sie sich innerlich befindet – jedenfalls ist sie woanders.

Meryems Bruder wird schnell laut – er schreit rum, macht Vorwürfe, hält Meryem klein, ist überfordert, kann sich nicht ausdrücken.

Und Meryem? Meryem ist stets hilfsbereit und liebenswürdig. Aber darauf hat sie irgendwann keine Lust mehr…

Langsam und voller Atmosphäre

Die Netflix-Serie Bir Başkadır – Acht Menschen in Istanbul des türkischen Regisseurs Berkun Oya hat mich eingefangen. Sie reproduziert zwar teilweise nervige Klischees: Meryem ist religiös, arm und ungebildet, Gülbin und Peri sind reich und gebildet, legen Wert auf ihr Äußeres, optimieren sich mit Fitnessstudio und Yoga selbst und sind auf der Suche nach einem Mann – finden aber keinen. Zudem sind alle Frauen schlank und sehen wahnsinnig gut aus – die Männer haben das nicht nötig. Das nervt. 

Andererseits hält sie einiges bereit:

Zum Beispiel wahnsinnig gute Schauspieler*innen – besonders Fatih Artman, der Meryems Bruder Yasin spielt. Durch die Psychoanalyse und das Darüber-Sprechen auf mehreren Ebenen – Meryem mit Peri, Peri mit Gülbin, Gülbin wiederum spricht mit ihren Freund*innen – werden die Lebenswelten der Menschen nicht von außen, sondern mit viel Sinn für Komplexität von innen dargestellt.

Die Serie ist langsam, voller Atmosphäre. Sie behandelt Themen wie Gewalttätigkeit, gesellschaftliche Machtverhältnisse sowie den Konflikt zwischen Tradition und Individualisierung – und sie tut dies auf berührende und oft zarte Art und Weise. Bir Başkadır zeigt die Charaktere in ihrer Uneindeutigkeit. Sie konfrontieren sich selbst und gegenseitig mit ihren blinden Flecken, mit dem was ihnen fehlt und was sie womöglich in den anderen sehen. Es ist erfrischend so viel ehrlich beleuchtet und so wenig beurteilt zu sehen. Hier gibt es kein richtig und falsch, kein Gut und Böse, aber viel Raum, um zu verstehen.

Der Inhalt ist zwar nicht in erster Linie feministisch. Jedoch sind die Menschen nahbar und mit ihren Widersprüchlichkeiten, ihrem Scheitern und ihren Lebenslügen dargestellt. Idealisierte und eindimensionale Bilder werden dadurch immer wieder relativiert – und das sehe ich auch als Teil der feministischen Agenda.

Tipp: Unbedingt original mit Untertitel schauen. Den Trailer gibt es leider nur auf türkisch ohne Untertitel und auf englisch.

Darf ich das schön finden? Ja, verdammt!

Lisa denkt über rosafarbene Bohrmaschinen nach
Bei Ungerechtigkeiten aller Art, Angeber*innen und falschen Kommas steigt sogar unserer diplomatischsten Trotznase, Lisa, das Blut in den Kopf.

Manchmal denke ich, wir wären weiter. So als Gesellschaft. Ich weiß, auf dem Papier sieht es deutlich besser aus, als in der realen Welt und wir haben noch einen langen Weg vor uns. Inzwischen sind gewisse Debatten eigentlich ausdiskutiert, und trotzdem muss man sich immer wieder damit rumschlagen. 

Geschlechtsspezifisches Produktmarketing von Firmen ist so ein Thema. Blaue Söckchen für den Jungen, rosa Kleidchen für das Mädchen. Doch in der Kinderabteilung hört dieser Quatsch nicht auf.

Neulich berichtete mir eine Freundin von einer Werbeanzeige für rosa Bohrmaschinen, von der sie sich persönlich sehr angesprochen fühlte. Beworben wurde das Produkt nur mit weiblichen Darstellerinnen. Da schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken. Im Freund*innenkreis wurde diskutiert, ob sie sich als emanzipierte Frau überhaupt einen rosa Bohrer zulegen dürfe. Ist das nicht sexistisch? Verfestigt es nicht nur klischeebehaftete Rollenbilder von Frauen, die Werkzeug nur in die Hand nehmen, wenn es rosa ist und glitzert? So machte sich nach der anfänglichen Freude über die schöne Bohrmaschine ein schlechtes Gewissen bei meiner Freundin breit. 

Aber wer ist hier überhaupt schuldig?

Darf man keinen rosa Bohrer kaufen, obwohl er der eigenen Ästhetik entspricht, nur um nicht in die Gender-Marketing-Falle zu tappen? Doch darf man. Ist die Werbung sexistisch und verfestigt klischeehafte Rollenbilder von Frauen? Ja. 

Aber das eigentliche Problem liegt nicht bei denjenigen, die rosa Werkzeug schön finden, sondern bei den Firmen, die rosa Werkzeug auf den Markt bringen und es ausschließlich als Frauenprodukt bewerben. Dass auch nicht-weibliche Personen Freude an rosafarbenem Werkzeug haben könnten, ist für viele Werbeagenturen wohl immer noch schwer vorstellbar. 

Ich erwarte auf jeden Fall, dass Firmen inklusiver sind in ihrer Ansprache: Sprecht mit den rosa Bohrern alle Geschlechter an, sodass jede und jeder sich frei entscheiden kann. Rosa Bohrer für alle!

Wem nützt hier eigentlich was?

Insa über die Frage: Nützt feministischer Aktivismus dem Gemeinwohl?
Insa interessiert sich für alle möglichen Formen des Dolce Vita, die ohne die Steigerung materieller Dinge auskommen. 

Im Juli 2017 beantragte der feministische Verein femrep, dessen Mitglied ich damals war, beim Finanzamt in Hamburg die Gemeinnützigkeit. Ziele des Vereins sind die solidarische Vernetzung von Frauen sowie die Umsetzung von Gleichbehandlung und Chancengleichheit. Dazu organisieren die femreps Vorträge, Workshops, Kinoabende oder Ausstellungen. 

Mariah Chontaduro

Die Frage der Gemeinnützigkeit ist für Vereine wichtig, weil sie erhebliche finanzielle Vorteile mit sich bringt: Gemeinnützige Vereine zahlen weniger Steuern; außerdem können Spenden von Externen und Mitgliedsbeiträge steuerlich abgesetzt werden. Der Antrag von femrep wurde jedoch abgelehnt – die Begründung: Der Verein widme sich der Förderung wirtschaftlich tätiger Personen und würde nicht selbstlos handeln, weil er in erster Linie im Interesse seiner Mitglieder aktiv sei. Aus Sicht des Finanzamts dient die Arbeit von femrep also nicht dem Gemeinwohl. 

Auf den ersten Blick scheinen die Argumente vielleicht einleuchtend: Die Ziele des Vereins beziehen sich explizit auf die Förderung von Frauen und nur Frauen können Mitglieder werden. (Anders ist das bei den Veranstaltungen, da sind häufig auch Männer willkommen.) Ergo: Der Verein schließt etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, daher kann femrep nicht als gemeinnützig gelten. Aber ist das wirklich so?

Oder profitiert nicht vielleicht doch die Gesellschaft als Ganze, wenn etwas gegen Sexismus unternommen wird?

Zunächst eine Klärung des Begriffs der Gemeinnützigkeit, die in Deutschland gesetzlich geregelt ist: Eine Organisation gilt dann als gemeinnützig, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist „die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“. Eine solche Förderung der Allgemeinheit ist nicht gegeben, „wenn der Kreis der Personen, dem die Förderung zugute kommt, fest abgeschlossen ist, zum Beispiel Zugehörigkeit zu einer Familie oder zur Belegschaft eines Unternehmens, oder infolge seiner Abgrenzung, insbesondere nach räumlichen oder beruflichen Merkmalen dauerhaft nur klein sein kann“. Im Gesetz werden anschließend insgesamt 26 Ziele aufgezählt, die als gemeinnützig gelten, so beispielsweise die Förderung von Wissenschaft, Naturschutz und Gesundheit. Aber eben auch die Förderung von Menschen, „die auf Grund ihrer geschlechtlichen Identität oder ihrer geschlechtlichen Orientierung diskriminiert werden“, sowie die Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Halten wir fest: Support für Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden, gilt als gemeinnützig

Und obwohl femrep sich genau das zum Ziel gesetzt hat, wurde der Antrag vom Finanzamt abgelehnt. Insbesondere unlogisch erscheint dabei das Argument, der Verein wirke nur im Interesse seiner Mitglieder. Im Gesetz steht, dass die geförderte Gruppe weder zu klein noch zu abgeschlossen sein darf – kleiner Reminder: Frauen stellen knapp über 50 % der Bevölkerung. Selbst wenn man davon ausgeht, dass feministisches Engagement nur Frauen zugute kommt, kann hier nicht von einer kleinen abgeschlossenen Gruppe die Rede sein. Außerdem wird die Sache mit der Gruppengröße nicht sonderlich eng ausgelegt: Als gemeinnützig gelten in Deutschland zum Beispiel auch Vereine, die sich mit Schach, Modellflugzeugen und Hundesport beschäftigen. Um das klarzustellen: Ich habe nichts gegen Modellflugzeuge, ich bin sogar sehr dafür, dass Menschen sich mit solchen Sachen amüsieren. Allerdings finde ich es nicht überzeugend, dass eine solche Beschäftigung einen größeren Beitrag zum Wohle der Allgemeinheit beiträgt, als ein Verein, der sich der Abschaffung sexistischer Diskriminierung verschrieben hat. 

Warum Feminismus auch gut für Männer ist

Man könnte natürlich argumentieren, dass sich auch Männer an einer solchen Arbeit beteiligen können, und es daher unfair sei, sie von einer Mitgliedschaft auszuschließen. Wer sich aber nur ein wenig mit Diskriminierung und struktureller Gewalt auseinandersetzt, weiß, wie wichtig Schutzräume für die Betroffenen sind. Wirksames Empowerment ist auf solche Räume angewiesen. Abgesehen davon, dass glücklicherweise auch viele Männer ein aufrichtiges Interesse daran haben, dass Frauen die gleichen Rechte und Chancen bekommen wie sie selbst, weist vieles darauf hin, dass auch Männer von feministischer Arbeit profitieren.

Erstbestes Beispiel: Männer leben in egalitären Gesellschaften länger. (Und aktuell sterben Männer im Schnitt 5 Jahre früher, just saying). Zweitbestes Beispiel: Dank veränderter Geschlechterrollen haben endlich auch Väter das Recht sich nach der Geburt ihres Kindes Elternzeit zu nehmen. Diese Liste ließe sich fortsetzen, nachzulesen beispielsweise in dem Buch: „Warum Feminismus gut für Männer ist“ (Jens van Tricht 2020).  

Fazit: Feministische Vereine helfen dem Staat dabei seine eigenen Grundsätze einzuhalten, das sollte die Gemeinnützigkeit wert sein. Und ganz ehrlich – es profitieren einfach alle, wenn wir das Patriarchat endlich abschaffen!

Von redaktion

Die zwölfköpfige Redaktion ist soziokratisch organisiert und immer offen für neue Gesichter! Falls du also Lust hast, deinem Talent ein Medium zu geben: Schreib uns an moin@trotzdem-mag.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.